Market Letter – August 2026
Stabilität nach außen – alles im Fluss im Inneren
Editorial:
Die Märkte bleiben resilient – doch die Kräfteverhältnisse verschieben sich.
Die Unsicherheit, die derzeit die Finanzmärkte prägt – nicht zuletzt aufgrund der geopolitischen Spannungen rund um den Iran –, hinterlässt bislang erstaunlich wenig Spuren in den Kursen. Die Weltwirtschaft wächst weiter, die Rezessionsrisiken scheinen vorerst gebannt.
Dennoch bleibt das Umfeld dynamisch. Hinter den vergleichsweise stabilen Gesamtmärkten vollziehen sich deutliche Verschiebungen: Sektoren wechseln ihre Führungsrolle, Anlageklassen gewinnen oder verlieren an Attraktivität, und auch innerhalb der Rohstoffmärkte zeichnet sich eine neue Gewichtung ab.
Die Weltwirtschaft wächst – aber mit weniger Dynamik
Die globalen Einkaufsmanagerindizes (PMI) bestätigen auch im Juli ein anhaltendes Wachstum im verarbeitenden Gewerbe. Der von J.P. Morgan in Auftrag gegebene und von S&P Global Market Intelligence erhobene Global Manufacturing PMI lag bei 52,1 Punkten und damit weiterhin klar über der Wachstumsschwelle von 50. Allerdings verliert die Dynamik etwas an Kraft. Bereits zum zweiten Mal in Folge verlangsamte sich das Wachstumstempo und erreichte den niedrigsten Stand seit März. Auch der Anstieg der Auftragseingänge schwächte sich weiter ab – bereits zum dritten Mal in Folge.

Ein wesentlicher Wachstumstreiber der vergangenen Monate war der Aufbau von Sicherheitsbeständen. Auch hier zeigen sich nun erste Ermüdungserscheinungen. Der Anteil der Unternehmen, die zusätzliche Rohstoffe aus Vorsichtsgründen einkaufen, ist seit seinem Höchststand im April deutlich zurückgegangen. Entsprechend wuchsen die weltweiten Rohstoffeinkäufe im Juli langsamer als in den vorhergehenden Monaten des Jahres.
Das Bild ist damit keineswegs einheitlich – aber gerade diese regionale Differenzierung ist interessant.

USA: Stabilität mit Fragezeichen
In den USA bleibt der PMI mit 53,9 Punkten auf einem soliden Niveau. Hinter dieser Stabilität zeigen sich jedoch erste Risse im Vertrauen der Unternehmen. Rückläufige Exporte und sinkende Lagerbestände belasteten die Stimmung; das Vertrauen fiel auf den niedrigsten Stand seit neun Monaten.
Eurozone: Erholung, aber nicht aus eigener Kraft
Die Industrieproduktion der Eurozone wächst so stark wie seit 2022 nicht mehr. Der positive Eindruck muss allerdings relativiert werden: Ein wesentlicher Teil des Wachstums wird derzeit durch den Abbau von Auftragsrückständen getragen und weniger durch eine kräftige Belebung der Nachfrage.
Auch der Arbeitsmarkt bleibt ein Schwachpunkt. Die Beschäftigung im verarbeitenden Gewerbe geht weiter zurück.
China un Indien: Wachstum auf hohem Niveau
China und Indien bleiben wichtige Wachstumsmotoren der Weltwirtschaft. Beide Volkswirtschaften befinden sich weiterhin in einer Expansionsphase, haben jedoch gegenüber ihren jüngsten Höchstständen etwas an Dynamik verloren.
In Brasilien deutet der PMI dagegen erneut auf eine Kontraktion hin.
In Polen zeichnet sich hingegen eine Stabilisierung ab, nachdem sich die dortige Rezession zuletzt abgeschwächt hat.
Das Gesamtbild ist damit weiterhin konstruktiv: Das globale Wachstum steht auf einer breiteren Basis und wird nicht ausschließlich von wenigen großen Volkswirtschaften getragen.
Finanzmärkte: Die Führungsrollen werden neu verteilt
Während die Weltwirtschaft weiter wächst, verändern sich die Kräfteverhältnisse an den Finanzmärkten.
Die Haltung der Federal Reserve ist zuletzt weniger restriktiv geworden. Das hat den US-Dollar belastet und gleichzeitig dem Goldpreis Rückenwind gegeben.
Die Entwicklung ist bemerkenswert: Am 5. August legte Gold um mehr als 4,3 % zu – einer der stärksten Tagesanstiege des Jahres. Gold profitierte dabei sowohl von der Dollar-Schwäche als auch von seiner Rolle als klassischer sicherer Hafen.

Sollte es zu keiner neuerlichen Eskalation der geopolitischen Lage und damit auch nicht zu einem sprunghaften Anstieg der Ölpreise kommen, könnten die Realzinsen in den kommenden Monaten weitgehend stabil bleiben. Das würde die These unterstützen, dass Gold nach der Korrektur einen Boden gefunden haben könnte.

Auch aus technischer Sicht (siehe Grafik) erscheint eine erneute Aufwärtsbewegung nach dem Rückgang von den bisherigen Höchstständen um nahezu 30 % zunehmend möglich.
Rohstoffe: Das Öl verliert an Dominanz
Interessant ist auch die Entwicklung innerhalb der Rohstoffmärkte. Nachdem Öl aufgrund geopolitischer Risiken und der Sorge vor Versorgungsengpässen lange Zeit im Mittelpunkt stand, scheint sich das Bild nun zu verändern. Andere Rohstoffkomponenten, die in der ersten Jahreshälfte weniger Beachtung fanden, gewinnen zunehmend an relativer Bedeutung.
Damit zeigt sich ein Muster, das derzeit für viele Märkte charakteristisch ist: Nicht unbedingt die großen Trends ändern sich abrupt – vielmehr verschieben sich die Führungsrollen innerhalb dieser Trends.
FAZIT FÜR ANLEGER
Die Weltwirtschaft wächst trotz der geopolitischen Belastungen weiter. Die unmittelbaren Rezessionsrisiken scheinen vorerst gebannt. Gleichzeitig bleibt die Unsicherheit hoch, und die Auswirkungen auf Wachstum, Inflation und Unternehmensgewinne könnten in den kommenden Monaten deutlicher sichtbar werden.
Für Anleger bedeutet dies vor allem eines: Stabilität an den Gesamtmärkten darf nicht mit Stillstand verwechselt werden.
Im Hintergrund findet derzeit eine erhebliche Neuordnung statt – sowohl innerhalb der Aktienmärkte als auch zwischen den verschiedenen Anlageklassen.
Sektoren, die die bisherige Aufwärtsbewegung getragen haben, müssen ihre Führungsrolle zunehmend mit anderen Bereichen teilen. Gleichzeitig könnten Anlageklassen, die zuletzt unter Druck standen, wieder an Bedeutung gewinnen.
Der Blick nach vorne spricht deshalb weniger für einen grundsätzlichen Strategiewechsel als für eine zunehmende Differenzierung.
Die kommenden Monate werden zeigen, ob aus dieser Rotation ein nachhaltiger neuer Markttrend entsteht.
Private
Mit der Expertise einer Schweizer Privatbank im Private Banking ist die PRADER BANK heute dort, wo der Banksektor morgen hin will
Mehr erfahrenCorporate
Liquiditätsmanagement zur Optimierung von Risiko und Ertrag, alternative Finanzierungsformen, weil Unternehmer Lösungen brauchen
Mehr erfahrenFamily Office
Für die allermeisten Fragen rund um das Vermögen braucht es die Expertise von Fachleuten, die über das klassische Bankwissen hinausgehen
Mehr erfahren