Die Welle der Zinssenkungen verliert an Schwung
Im Juli kam es zu einer weiteren Runde globaler Zinssenkungen, allerdings dürfte deren monatliche Anzahl
die niedrigste seit Anfang 2023 sein. Anders ausgedrückt: Die Umkehr der zuvor restriktiven geldpolitischen
Maßnahmen – die zur Bekämpfung der Inflation eingeführt worden waren – scheint sich nun allmählich
abzuschwächen. Seit dem vergangenen Jahr wurden weltweit fast 200 Zinssenkungen vorgenommen.
Das Tempo, der Umfang und die Intensität dieser globalen Zinssenkungswelle waren bemerkenswert und
außerhalb von Rezessions- oder Krisenzeiten bislang beispiellos. Dies stellt eine tiefgreifende Veränderung
der politischen Ausrichtung dar – von einem Gegenwind zu einem Rückenwind für die globalen Aktienmärkte
und die Weltwirtschaft.

Mit Blick auf die kommenden Monate ist davon auszugehen, dass sich der Rhythmus der Zinssenkungen
weiter verlangsamen wird. Eine wachsende Zahl von Zentralbanken dürfte in eine abwartende Haltung
übergehen („wait and see“). Die Unsicherheit bleibt hoch – insbesondere im Hinblick auf den weiteren
Verlauf der Handelskonflikte, deren Entwicklung sowohl entspannend als auch eskalierend wirken könnte,
mit entsprechendem Einfluss auf das Wirtschaftswachstum und die Inflation. Ab dem Jahr 2026 könnten zudem erste Diskussionen über mögliche Zinserhöhungen aufkommen, abhängig davon, wie sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen entwickeln.
Gleichzeitig planen die führenden Volkswirtschaften umfangreiche Investitionen, insbesondere im Bereich
Verteidigung und Infrastruktur.
In der Eurozone kommen darüber hinaus Maßnahmen hinzu, die im Rahmen des jüngst geschlossenen Handelsabkommens mit den Vereinigten Staaten vereinbart wurden. Zur Finanzierung dieser Vorhaben werden neue staatliche Anleiheemissionen notwendig sein, was eine nachhaltige Senkung der langfristigen Zinsen erschwert. In Ermangelung expansiver Geldpolitik könnten
fiskalpolitische Unterstützungsmaßnahmen eine zunehmend wichtige Rolle spielen. Ende Juli beließ die US-Notenbank Federal Reserve den Leitzins zum fünften Mal in Folge unverändert im Korridor zwischen 4,25 % und 4,50 %. Erstmals seit 1993 äußerten zwei Mitglieder des Direktoriums abweichende Meinungen zur Entscheidung. Die geldpolitische Erklärung fiel insgesamt moderater aus als erwartet und verwies auf ein verhaltenes Wirtschaftswachstum im ersten Halbjahr.
In der anschließenden Pressekonferenz zeigte sich Fed-Präsident Jerome Powell hingegen zurückhaltender und vermied klare
Signale für eine baldige Zinssenkung. Inflationssorgen wurden nicht explizit geäußert, dafür aber die anhaltende Unsicherheit in Bezug auf die wirtschaftlichen Perspektiven betont. Diese bleibe trotz neu abgeschlossener Handelsabkommen mit einigen bedeutenden Ländern hoch. Offene Fragen bestehen weiterhin in den Beziehungen zu Staaten wie der Schweiz, Indien und Brasilien – sowie insbesondere im komplexen Verhältnis zu China.
Veröffentlicht am 14.08.2025