Der Dollar unter Druck: Wenn Geopolitik wichtiger ist als Zinsen

Der US-Dollar war lange Zeit die unverzichtbare Währung für Investoren – gestützt durch die Stärke der US-Wirtschaft und die attraktiven Renditen amerikanischer Vermögenswerte. Bis zum Frühjahr dieses Jahres bestand eine enge Korrelation zwischen den Renditen 10-jähriger US- Staatsanleihen (im Diagramm blau) und dem globalen Wert des US-Dollars (rot).
In den letzten Monaten hat sich dieses Verhältnis jedoch aufgelöst: Die Zinsen blieben weitgehend stabil, während der Dollar an Wertverlor. Es entstand eine ungewöhnliche „Lücke“ zwischen Rendite und Währung.
Ein erstes Warnsignal für den Dollar kam mit dem Einfrieren russischer Vermögenswerte in den USA.
Dies löste bei nicht-westlich ausgerichteten Staaten Misstrauen aus – aus Sorge, dass auch ihre Dollarreserven in geopolitischen Krisenzeiten blockiert werden könnten. Länder, die auf den militärischen Schutz der USA angewiesen sind, halten jedoch weiterhin bevorzugt Dollarreserven. Sollte sich Amerika aus der globalen Bühne zurückziehen, könnte dies das Vertrauen in den Dollar untergraben. Bereits jetzt wurde rund 6 % der handelbaren US-Staatsverschuldung verkauft – ohne dass die Renditen nennenswert gefallen wären.

Im Jahr 2025 sind die Bewegungen des Dollars eng mit geopolitischen Entwicklungen verknüpft. Die
Währung wurde schwächer. Vor allem nach April: durch neue Zölle am sogenannten „Liberation Day“, wurde der Zweifel an der Verlässlichkeit der USA als Partner größer.
Erst nach dem NATO-Gipfel im Juni, bei dem die Verbündeten höhere Verteidigungsausgaben zusagten, stabilisierte sich der Dollar wieder. Trotz einer weiterhin konfrontativen Haltung Trumps gegenüber Putin scheint es derzeit so, als wären die Reserven der US-Verbündeten weiterhin sicher auf amerikanischem Boden.
Veröffentlicht am 14.08.2025